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Ein Spiel für 1-4 Spieler vom Spielefaible Verlag

Übersicht

Nach Airship City und Wangdo hat es mich sehr gefreut, auch Freshwater Fly vom Spielefaible Verlag rezensieren zu dürfen. Das Spiel hatte ich schon bei Kickstarter auf dem Radar, habe mich aber seinerzeit dagegen entschieden, weil ich zu dem Thema keinen Bezug habe. Jetzt erscheint die deutsche Version des Spiels und wir haben es in unseren Runden mit viel Spaß getestet.

In Freshwater Fly schlüpfen die Spieler in die Rolle von Anglern, die möglichst lukrative Fische aus dem Fluss fischen wollen. Das Spiel kommt inklusive zwei kleiner Minierweiterungen. Auf diese gehe ich gesondert bei der Wiederspielbarkeit ein, daher bleiben sie im Folgenden zunächst unberücksichtigt. Der Fluss besteht aus einer Kartenauslage aus 6 x 3 Karten. Bis auf 3 Felder, die mit Felsenkarten belegt sind, befindet sich auf jedem Feld eine Fischkarte. Alle Fischarten gibt es in verschiedenen Kartenfarben. Die Kartenfarbe bestimmt, wie widerwillig sich ein Fisch fangen lässt und wie viele Punkte er am Spielende einbringt. Außerdem liegen unterhalb einer Spalte immer bis zu 5 zufällige Larvenmarker in verschiedenen Farben. Jeder Spieler hat ein eigenes Tableau, dass seine Finesse anzeigt, eine drehbare Kurbel enthält und die speziellen Siegpunktbedingungen für jeden Spieler darstellt. Oberhalb des Flusses liegen noch 5 Schwungplättchen aus.

Zu Beginn einer Runde werden immer alle Würfel geworfen. Im Anschluss kann reihum jeder Spieler einen Würfel auswählen und damit eine von drei Aktionen ausführen. Eine Möglichkeit ist das Fangen eines Fisches. Dazu legt er den Fangmarker auf einen Fisch der durch den Würfel angezeigten Spalte. Sein linker Nachbar deckt nun eine Fangkarte auf. Unter den insgesamt 4 Fangkarten befindet sich eine Erfolgskarte. Sollte der Fangversuch erfolglos geblieben sein, treibt der Fangmarker eine Spalte weiter Flussabwärts. Nun werden 2 Fangkarten aufgedeckt. Sollte der Versuch immer noch nicht erfolgreich gewesen sein, treibt der Marker noch eine Spalte weiter, um die letzte Karte aufzudecken. Wichtig ist bei der Aktion, dass die Fangkarten nur dann auch wirklich aufgedeckt werden, wenn unter der entsprechenden Spalte ein Larvenmarker liegt, der die selbe Farbe wie die Fliege, also der Köder, des aktiven Spielers hat. Ist dies nicht der Fall, werden die Fangkarten gar nicht erst aufgedeckt. Wenn ein Spieler einen Fisch gefangen hat, legt er diesen der Farbe entsprechend über seinem Tableau ab.

Die zweite Aktionsmöglichkeit ist das Weiterdrehen der Kurbel. Diese Aktion kann logischerweise nur ausgeführt werden, wenn schon ein Fisch angebissen hat. Die Kurbel darf um die entsprechende Augenzahl des gewählten Würfels weitergedreht werden. Dann wird die Aktion des Feldes ausgeführt, auf dem die Kurbel stehen bleibt. Über ein Feld kommt man hier an die begehrten Schwungplättchen, die einem verschiedene Vorteile bis hin zu Doppelzügen gewähren. Man kann aber auch seine Finesse verbessern, um während seines Zuges z.B. das Würfelergebnis zu manipulieren oder einen Fisch abzubremsen. Immer wenn die Kurbel einmal vollständig aufgerollt wurde, wird der Fisch ein Stück eingeholt. Grüne Fische hat man somit sofort gefangen, Schwarze benötigen einen weiteren Umlauf, goldene Fische sogar insgesamt 3 Umläufe. Wichtig ist bei dieser Aktion, dass die Fische natürlich gegenhalten. Der Wert eines Fisches wird hierbei vom gewählten Würfelwert abgezogen. Somit lohnt es sich oft, einen Fisch abzubremsen um diesen Wert damit auf null zu reduzieren.

Als dritte Aktionsmöglichkeit kann man mit einem Beliebigen Würfel seine Finesse um 2 erhöhen. Das Spiel endet am Ende der Runde, in der ein Spieler seinen 7. Fisch gefangen hat. Am Spielende gibt es zum einen die persönlichen Siegpunkte, die sich von Spieler zu Spieler unterscheiden. Außerdem gibt jeder Fisch eine gewisse Anzahl Punkte, jedes Set aus 3 verschiedenen Fischen Punkte und für die Mehrheit der gefangenen Lachse bekommt man ebenfalls Punkte.

Im Spiel gibt es noch viele weitere Details zu beachten. Diese alle zu beschreiben käme aber einem Abschreiben der Anleitung gleich. Deshalb ist der Spielverlauf hier auf die wesentlichen Aktionen beschränkt dargestellt. Kommen wir nun zu den einzelnen Bewertungskriterien:

Spielgrafik

Freshwater Fly ist toll thematisch gestaltet. Dabei wurden keine Abstriche bei der Übersichtlichkeit gemacht und die Ikonografie ist nach der ersten Partie tatsächlich selbsterklärend. Die Fischkarten sind schön gestaltet, Kenner werden sich sicher über die realistischen Zeichnungen freuen. Auch die Tableaus, Karten und das Cover sind ansprechend gestaltet. Für mich gibt es hier klare 5 von 5 Sternen.

Materialqualität

Die Materialqualität ist ebenfalls sehr gut. Die Karten sind vernünftig, alle Pappmarker sind aus dicker Pappe, die Tableaus mit der Rolle sind schon zusammengesetzt und es ist sogar ein Stoffbeutel zum zufälligen Ziehen der Larvenmarker enthalten. Die Materialquantität hat mich allerdings in zwei Dingen enttäuscht: Es gibt zwar eine Übersichtskarte, die alle Symbole, die auf Schwungplättchen, Tableaus und Karten zu finden sind, darstellt. Auf eine Übersichtskarte für die zwei Hauptaktionen wurde leider verzichtet. Gerade als Erklärbär freue ich mich immer besonders über solche Karten, da man sich dort schön entlanghangeln kann und für die ersten Partien sind Spieler immer dankbar, wenn sie nochmal schnell nachgucken können, wie eine Aktion abläuft. Das zweite was dem Spiel meiner Meinung nach noch mehr fehlt, ist ein Wertungsblock. Am Ende des Spiels gibt es verschiedene Möglichkeiten, Punkte zu erzielen und diese sind auch noch von Spieler zu Spieler individuell. Es gibt aber keine Punkteleiste oder überhaupt eine Möglichkeit, die Punkte nachzuhalten. Hier wäre ein schöner Wertungsblock auf jeden Fall die passendste Methode gewesen, die Punkte nachzuhalten. Mir ist bewusst, dass das Jammern auf hohem Niveau ist, aber mit den letzten Erscheinungen hat der Verlag die Messlatte sehr hoch gelegt und bei den ansonsten hochwertigen und tollen Komponenten fällt das Fehlen dann noch mehr auf. Von daher gebe ich hier 4 von 5 Sternen.

Spielanleitung

Die Spielanleitung lässt keine Fragen offen. Sie ist übersichtlich strukturiert, klar verständlich formuliert und enthält genügend Beispiele. Für die Solo-Variante ist eine Kampagne enthalten. Vorbildlich und somit klare 5 von 5 Sternen.

Wiederspielbarkeit

Die Wiederspielbarkeit bei Freshwater Fly ist immens. Dazu tragen verschiedene Faktoren bei: Zum einen die immer wieder zufällige Anordnung der Fische und Larvenmarker auf dem Fluss. Zum anderen die verschiedenen persönlichen Schlusswertungen. Außerdem gibt es ganz verschiedene Ansätze, das Spiel zu spielen. Man kann versuchen, schnell das Spielende einzuläuten, in dem man nur kleine Fische fängt, die dann aber auch weniger Punkte mitbringen. Man kann Sets sammeln, versuchen den Mitspielern die passenden Fische wegzuschnappen etc. Durch die enthaltenen Mini-Erweiterungen kommt nochmal zusätzliche Varianz ins Spiel. So kommen neue Schwungplättchen und neue Felsenkarten ins Spiel. Für Fans von Solo-Varianten bietet Freshwater Fly einen Solo-Modus inklusive verschiedener Szenarien. Da ich diesen nicht getestet habe, kann ich dazu aber keine weiteren Aussagen treffen. Insgesamt bekommt Freshwater Fly damit aber völlig verdiente 5 Sterne für die Wiederspielbarkeit.

Spielgefühl

Nach dem Lesen der Anleitung und den ersten 3 Aktionen war ich zunächst skeptisch. Fühlte es sich doch so an, als würde man immer einen Fisch fangen und dann einfach nur seine Kurbel drehen, bis der Fisch gefangen ist. Durch die Verzahnung der verschiedenen Details und Mechanismen des Spiels ist jedoch genau das viel spannender, als ich zunächst gedacht hätte. Man kann an so vielen Stellschrauben drehen und man steht immer wieder vor kniffligen Entscheidungen. Lieber die hohen Würfel nehmen oder lieber Startspieler werden? Lieber noch einen Lachs für die Mehrheit fangen oder einen Fisch, der zu meinen Sets passt? Sollte ich diese Runde schon den Köder wechseln oder lieber noch einen Fisch in der passenden Farbe fangen. Und genau das macht das Spiel hochinteressant und alles andere als langweilig oder vorhersehbar. Mir hat es auch insbesondere zu zweit sehr gut gefallen, da es dann ein bisschen planbarer ist, als mit mehr Spielern. Bei 4 Spielern kann sich doch schon einiges im Fluss und in der Würfelauslage getan haben, bis man wieder am Zug ist. In unseren Testrunden ist das Spiel auf jeden Fall sehr gut angekommen und auf so manchem Einkaufszettel für die Messe gelandet. Daher gibt es auch hier volle 5 Sterne!

Fazit

Ein Spiel, dessen einziger Kritikpunkt für mich das Fehlen einer Übersichtskarte und eines Wertungsblockes sind, hat offensichtlich alles richtiggemacht. Freshwater Fly ist ein interessantes und kurzweiliges Spiel, dessen Würfelmechanismus mich begeistert hat. Wenn man sich für das Angeln interessiert ist das Spiel bestimmt noch interessanter, da ich als Laie wenig mit den Begrifflichkeiten anfangen konnte, sie mir aber sehr nah am Thema gewählt vorkamen. Freshwater Fly wird sicher noch oft auf den Tisch kommen und macht in jeder Besetzung Spaß. Der Spielefaible Verlag zeigt wieder einmal, dass er ein sehr gutes Händchen bei der Auswahl seiner Spiele hat und sich bei Qualität und Aufmachung der Spiele hinter niemandem Verstecken muss. Von mir gibt es extrem gute 4,9 Sterne*!

*Bewertung: Grafik, Materialqualität und Spielanleitung werden einfach gewichtet, Wiederspielbarkeit dreifach und Spielgefühl zweifach.

Links

Freshwater Fly auf der Verlagsseite

Freshwater Fly bei Boardgamegeek

Wangdo

Veröffentlicht: 17. Oktober 2019 in Rezensionen
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Wangdo Cover

Ein Spiel für 2-4 Spieler vom Spielefaible Verlag

Übersicht

Nachdem ich zuletzt das anspruchsvolle Airship City vom Spielefaible Verlag rezensieren durfte, stand nun die wunderschön gestaltete Neuheit Wangdo auf dem Programm. In Wangdo errichten die Spielerinnen Bärenstatuen auf einer Karte, um dadurch möglichst schnell 8 bestimmte Schätze (bzw. 12 im 2-Personenspiel) zu sammeln. Dabei gelten wenig überraschend natürlich einige Regeln, die das ganze vor allem gegen Spielende etwas kniffliger gestalten. Insgesamt gibt es die Bärenstatuen in 4 verschiedenen Farben. Der Spielplan besteht aus einem Wegenetz, das die verschiedenen Bauplätze miteinander verbindet. Zu Beginn des Spiels werden 4 Statuen zufällig platziert. Danach dürfen weitere Statuen nur benachbart zu bereits vorhandenen Statuen gebaut werden. Aber Achtung! Gleiche Farben dürfen niemals nebeneinander gebaut werden. Um Statuen bauen zu können, müssen die Spielerinnen natürlich Baukosten bezahlen. Je weiter das Spiel fortschreitet, desto teurer werden diese, denn für jede benachbarte Statue muss beim Bau eine solche Statue abgegeben werden. Die bezahlten Statuen werden in Tempeln gesammelt, aus denen die Spielerinnen sie anstelle der Bauaktion nehmen können. Alternativ kann man sich auch neue Statuen aus dem Beutel nehmen, wodurch man eine mehr erhält, dafür aber nicht weiß, was man bekommt. Lukrativ ist es auch, die 5. Statue einer Farbe im Tempel zu platzieren, da diese dann in den Beutel zurückkommen und man eine Statue aus einem anderen Tempel nehmen darf.

Die ganze Knobelei dient dem Zweck, die Schatzplättchen der Felder einzusammeln, auf denen man Statuen errichtet. Jede Spielerin muss 4 verschiedene Plättchen je zweimal sammeln. Hat man bereits beide Plättchen einer Sorte, darf man auf den entsprechenden Feldern auch keine Statuen mehr bauen. Am Ende der Runde, in der mindestens eine Spielerin alle 8 Schätze gesammelt hat, endet das Spiel. Falls eine Spielerin alleine die 8 Plättchen gesammelt hat, ist sie die Gewinnerin. Sollten dies mehrere Spielerinnen erreicht haben, entscheidet die Anzahl der Drachenmünzen. Und das bringt mich zum letzten Element des Spiels: Immer wenn eine Spielerin den zweiten Schatz einer Art eingesammelt hat, erhält sie eine Spezialkarte. Diese Karten ermöglichen den Spielerinnen besondere Aktionen wie z.B. günstigeres Bauen. Allerdings sind nicht ausgegebene Karten am Ende des Spiels eine Drachenmünze wert. Hier gilt es also gut abzuwägen. Da bei uns fast alle Partien über die Drachenmünzen entschieden wurden, sollte man sich zweimal überlegen, ob man die Karten (von denen man maximal bis zu vier erhalten kann) ausspielen möchte. Außerdem gibt es auf manchen Schatzplättchen ebenfalls Drachenmünzen, diese Plättchen sind natürlich besonders begehrt.

Wangdo Tableau

Eine Partie Wangdo dauerte bei uns auch in Vollbesetzung nie länger als 30 Minuten, zu zweit kann man das Spiel auch in 15 Minuten spielen. Es ist also wunderbar für zwischendurch geeignet. Nun zu den einzelnen Bewertungskriterien:

Spielgrafik

Die Spielgrafik ist umwerfend! Das Cover und sogar die Innenseite des Deckels sind phänomenal schön gestaltet. Auch Spielbrett und Karten sind entsprechend passend illustriert. Die Bärenstatuen sind schön und machen das volle Spielbrett zu einem Hingucker. Mehr gibt es auch gar nicht dazu zu sagen. Schlicht und einfach: 5 von 5 Punkten.

Materialqualität

Wangdo Start

Die Materialqualität ist ebenfalls sehr hochwertig. Die Statuen sind aus einem nicht zu harten Kunststoff, und schön schwer. Dem Spiel liegt ein schöner Stoffbeutel bei, aus dem die Statuen gezogen werden. Der mehrteilige Spielplan, der bei 2 oder 3 Spielerinnen um ein Element verkleinert wird, ist aus stabilem Karton, genau wie die Spielertableaus und die Stanzteile. Die Kartenqualität ist auch vollkommen ausreichend und die Schachtel ist hochwertig und mit schönen Hochglanzapplikationen ein echter Hingucker im Regal. Hier gibt es für Wangdo ebenfalls volle 5 Sterne.

Spielanleitung

Die Spielanleitung schafft es, das Spiel auf nur 3 Seiten anschaulich und mit genügend Beispielen und Abbildungen zu erklären. Lediglich mit der Unterscheidung zwischen Reihe und Spalte hat man sich etwas schwergetan. Was ich aber ganz besonders hervorheben möchte ist die letzte Seite der Anleitung: Dort kommen sowohl die Autoren als auch der Grafiker zu Wort und werden kurz vorgestellt. Abgesehen davon, dass ich es total interessant finde, die Enststehungsgeschichte eines Spiels (zumindest kurz) zu erfahren, finde ich es vorbildlich, dass den kreativen Köpfen hinter einem Spiel der verdiente Platz eingeräumt wird. In einer Szene, in der es immer wieder Veröffentlichungen gibt, bei denen der Autor kaum wahrzunehmen ist, finde ich das vorbildlich und würde mich freuen, wenn das Modell Schule macht. Daher gebe ich der Anleitung 6 von 5 Sternen. Und ja, das geht, schließlich sind meine Regeln da, um ab und an auch mal gebrochen zu werden.

Wiederspielbarkeit

Wangdo ist ein abstraktes Spiel. Die Aufmachung und die Grafik sind zwar geneigt, andere Erwartungen zu schüren, doch bei Wangdo werden klassisch abstrakte Mechanismen verwendet. Und das ist gut für die Wiederspielbarkeit. Durch das sich immer anders entwickelnde Feld und das Zufallselement des Statuen Ziehens ist keine Partie wie die andere. Allerdings ist Wangdo auch sehr schnell gespielt und fühlt sich nach einigen Partien sehr ähnlich an. Für mich ist es ein Spiel, dass ich immer gerne mal mitspielen werde, aber nicht wie z.B. Schach oder Siam immer weiter hintereinander spielen möchte. Deshalb gibt es von mir einen Stern Abzug und somit sehr gute 4 von 5 Sternen.

Spielgefühl

Beim Spielgefühl schieden sich in den Testrunden die Geister. Der einen Hälfte war es zu zufällig und ein reines „viele Statuen sammeln, um viele Statuen auszugeben“, der die andere Hälfte mochte die Knobelei und die Möglichkeit des abstrakten Planens auf der Karte. Ich selbst würde mich irgendwo dazwischen einordnen. Wangdo ist kurzweilig und macht Spaß. Und Wangdo ist ein hervorragender Einstieg in die Welt der abstrakten Spiele und kann durch seine Optik auch Skeptiker zu einem Versuch überreden. Und da es schnell gespielt ist, eignet es sich auch ideal als Auftakt zu einem Spieleabend. Mir persönlich fehlt ein kleines bisschen die Vorausplanbarkeit, um mich beim Knobeln auch 100%-ig anzustrengen. Genau diese Unwägbarkeiten gleichen aber auch den Unterschied zwischen sehr starken Spielerinnen und Einsteigerinnen aus. Somit ist es für mich ein perfektes Einstiegsspiel auch für Kinder oder Gelegenheitsspielerinnen und bekommt solide 4 von 5 Sternen!

Fazit

Wangdo ist ein absoluter Hingucker im Regal und auf dem Tisch. Die kurze Spieldauer und der leichte Einstieg machen es zu einem wunderbaren Einstiegsspiel für abstrakte Spiele. Bei Grafik und Material hat der Verlag alles richtiggemacht und bei mir wird es immer wieder mal auf den Tisch kommen, wenn es nicht zu lange dauern soll. Am Ende kommt Wangdo damit auch auf verdiente 4,5 Sterne*!

*Bewertung: Grafik, Materialqualität und Spielanleitung werden einfach gewichtet, Wiederspielbarkeit dreifach und Spielgefühl zweifach.

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Wangdo bei der Spiele-Offensive (affiliate Link)

Wangdo auf der Verlagsseite

Wangdo bei Boardgamegeek

Wangdo Spielende
Airship City, Brettspiel, Neuheit 2019, Spielefaible
Spielschachtel

Ein Spiel von Spielefaible für 3-4 Spieler

Übersicht

Airship City ist die Neuheit des Spielefaible-Verlages, der zuletzt durch sein Debüt-Spiel „Vejen“ auf sich aufmerksam machte. Mit Airship City schafft es eines der oft unter dem Radar bleibenden Spiele des Japon Brand Labels auf den deutschen Markt. Thematisch errichten die Spieler Luftschiffe, um diese der wachsenden „Airship City“ zu schenken, oder um sie zu Geld zu machen. Da das Spiel eher abstrakt ist, spielt das Thema hier keine so wichtige Rolle, passt aber durchaus zu einem Spiel, bei dem die Aktionsfelder immer wieder verschoben werden können. Aber der Reihe nach:

Airship City ist ein Worker-Movement Spiel auf einem modularen, veränderbaren Aktionsplan. Klingt erstmal chaotisch, entpuppt sich aber als erfrischend anders. Das Kernstück des Spiels ist ein Raster aus 4 x 4 Aktionsfeldern, die verschiedene Aktionen ermöglichen. Ist ein Spieler am Zug, bewegt er seinen Arbeiter auf ein angrenzendes Feld, um dessen Aktion nutzen zu können. Ist auf dem Feld bereits ein eigener Arbeiter vorhanden, muss er sofort ein weiteres Feld ziehen. Dadurch allein sind schon interessante Kombinationen möglich. Noch interessanter wird das Ganze dadurch, dass man durch das Ausgeben von Getrieben ganze Reihen oder Spalten des Aktionsfeldes verschieben kann und das so aus dem Raster geschobene Plättchen an der gegenüber liegenden Seite wieder eingesetzt wird. Da werden Erinnerungen an eine Kindheit mit dem verrückten Labyrinth wach! Durch diese Option hat man in seinem Zug unzählige Möglichkeiten, muss aber immer abwägen, ob die Kosten für das verschieben des Feldes den Nutzen des so erreichten Aktionsfeldes rechtfertigen. Andersherum bedeutet diese Mechanik natürlich auch, dass das Spielfeld komplett anders aussehen kann, wenn ich wieder an der Reihe bin.

Airship City, Brettspiel, Neuheit 2019, Spielefaible
Spielbeginn einer Partie zu dritt

Eine Partie Airship City geht über 17-20 Runden. Ist ein Spieler am Zug, bewegt er alle seine Arbeiter jeweils einmal. Davor und dazwischen kann er den Spielplan wie eben beschrieben verändern. Die Aktionsfelder sind Dreh- und Angelpunkt der Planung, da man nie alle erreichen kann. Die Aktionen sind zum einen Rohstoffbeschaffung, zum anderen Bau- und Aufwerteaktionen. So können Luftschiffe mit Ressourceneinsatz gebaut werden. Diese können entweder für Geld verkauft werden (wobei hier der Preis natürlich fällt) oder der Stadt geschenkt werden. Das Schenken der Luftschiffe ist ein weiterer, wesentlicher Bestandteil von Airship City. Durch Schenkungen kann man nämlich Marker platzieren, die einem verschiedene Aktionen vergünstigen. Hat ein Spieler die meisten Marker bei einer Luftschiffart platziert, kann er noch einen zusätzlichen Marker setzen und somit noch mehr von der Vergünstigung profitieren. Andere Aktionen lassen die Spieler Verträge schließen, die es mit Rochstoffeinsatz zu erfüllen gilt, um so an Gold und Siegpunkte zu gelangen. Außerdem können auf den Spielertableaus verschiedene Boni freigeschaltet oder freigekauft werden. Dadurch kann man Aktionsfelder des Plans aufwerten, mehr Rohstoffe sammeln und einzelne Boni erlangen, die in jeder Etappe wieder genutzt werden können.

Am Ende des Spiels gewinnt der Spieler, der die meisten Punkte erzielt hat. Große Punktelieferanten sind dabei gebaute öffentliche Gebäude, gebaute hochwertige Luftschiffe und erfüllte Aufträge. Aber auch die Mehrheiten der Schenkungen werden am Ende mit Punkten belohnt.

Airship City, Brettspiel, Neuheit 2019, Spielefaible
Halbzeit

Kommen wir nun zur Bewertung des Spiels:

Spielgrafik

Die Grafik ist laut Designerin eine „Steampunk-Version“ im „Analog Launchbox-Stil“. Das trifft es meiner Meinung ganz gut. Die Schachtel ist durch den großen unteren Teil, der nur mit Text bedruckt ist, etwas gewöhnungsbedürftig. Die Grafik gefällt mir aber gut und ist im Spiel konsequent umgesetzt worden. Alle Informationen sind durch die Ikonografie sehr gut abrufbar. Die Aktionsfelder sind schön gestaltet und die Tableaus sehr funktional. Von mir gibt es gute 4 Sterne für die Grafik.

Materialqualität

Airship City, Brettspiel, Neuheit 2019, Spielefaible
Spielertableau

Der minimalistische Stil setzt sich auch im Spielmaterial fort, sodass das Spiel nur mit Papp-Stanzteilen auskommt. Auch die Arbeiter sind Marker, was aber eher hilfreich ist, da sie nach der Bewegung umgedreht werden müssen. Insgesamt zeigt Airship City, dass es auch ohne Miniaturen-Orgien und Materialschlachten geht. Da alle Pappteile aus qualitativ hochwertiger, dicker Pappe sind, gibt es aus meiner Sicht nichts daran auszusetzen und somit 5 Sterne!

Spielanleitung

Die Spielanleitung ist vernünftig gegliedert, redaktionell sehr gut umgesetzt und lässt keine Fragen offen. Es gibt genügend Beispiele und Abbildungen, um schnell einen Überblick über das Spielgeschehen zu haben. Die Schrift ist zwar recht klein, da mich das persönlich aber nicht stört gibt es auch hier 5 Sterne von mir.

Wiederspielbarkeit

Die Wiederspielbarkeit ist einer der großen Trümpfe dieses Spieldesigns. Das Spielfeld ist grundsätzlich schon immer zufällig aufgebaut. Durch die Möglichkeit, das Spielfeld jedes mal zu verändern, entstehen aber quasi unendlich viele Möglichkeiten, auf die man als Spieler zwangsläufig reagieren muss. Da es außerdem verschiedenste Wege gibt, an Siegpunkte zu kommen, kann man immer wieder neue Möglichkeiten ausprobieren, um erfolgreich zu sein. In den Spielen unserer Runde konnten wir bisher noch keinen klaren Königsweg ausmachen, da man immer wieder auf den neuen Spielplan reagieren musste und Improvisation zwingend nötig war. Deshalb kann ich hier nur klare 5 Sterne vergeben!

Spielgefühl

Airship City hat ein ganz eigenes Spielgefühl. Hat man sich einmal darauf eingestellt, kann es richtig Spaß machen. Wenn man allerdings extreme Grübler mit von der Partie hat, die ihre Möglichkeiten mit 3 oder vielleicht sogar 4 Arbeitern bis ins letzte Detail durchplanen wollen, dann kann es schon mal sehr, sehr langwierig sein. Dies wird dadurch begünstigt, dass man alle seine Arbeiter bewegt, bevor der nächste Spieler am Zug ist. Anders wäre das Spiel aber unplanbar, weshalb es schon so gespielt werden muss. Außerdem fühlte es sich für uns tatsächlich immer sehr abstrakt an. Das ist nichts negatives, sollte dem interessierten Spieler aber nicht vorenthalten werden. Im Kern sammelt man Ressourcen, um diese möglichst geschickt umzusetzen. Das besondere am Spiel ist der ausgeklügelte Aktionsfeldmechanismus, der sehr innovativ daher kommt. In unserer Runde bekommt Airship City für das Spielgefühl daher solide 3 Sterne.

Fazit

Airship City kommt mit einem erfrischenden und innovativen Aktionsmechanismus daher, der eine enorme Wiederspielbarkeit bietet. Hinter dem Thema verbirgt sich ein abstraktes Spielerlebnis, bei dem man immer wieder auf das neue Spielfeld reagieren muss. Wer gerne um die Ecke denkt, sollte sich das Spiel auf jeden Fall anschauen! Insgesamt bekommt Airship City somit sehr gute 4.4 Sterne!*

*Bewertung: Grafik, Materialqualität und Spielanleitung werden einfach gewichtet, Wiederspielbarkeit dreifach und Spielgefühl zweifach.

Hinweis

Laut Verlag ist eine Mini-Erweiterung in Planung, die ein Spiel zu zweit ermöglichen soll. Zum Veröffentlichungszeitpunkt der Rezension gab es dazu aber leider noch keine aktuellen Informationen auf der Website.

Airship City, Brettspiel, Neuheit 2019, Spielefaible
Spielende

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Airship City bei Boardgamegeek

Airship City auf der Verlagsseite von Spielefaible

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